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Margot Käßmann und Friedrich Kronenberg sind die Erfinder des Ökumenischen Kirchentages
Von Jutta Wagemann (epd)

Berlin (epd). Ein unbestimmtes Gefühl ließ Friedrich Kronenberg im Herbst 1996 zum Telefonhörer greifen. Er bat um einen Termin in Fulda beim Deutschen Evangelischen Kirchentag, um ein Gespräch unter vier Augen mit Margot Käßmann, zu dieser Zeit Generalsekretärin. Noch hatte niemand in Kirchenkreisen seine Idee ausgesprochen. Der damalige Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) traf auch keine Rücksprachen, bevor er von Bonn nach Fulda aufbrach. Er überraschte die evangelische Seite ebenso wie wenig später die eigenen Leute mit seinem Vorschlag: Lasst uns gemeinsam einen Ökumenischen Kirchentag machen.

Das war dran, sagt Käßmann sieben Jahre später im Rückblick. Genau wie ihr katholisches Gegenüber hatte sie 1996 den Eindruck, dass die Sehnsucht in den evangelischen und katholischen Gemeinden nach einer gemeinsamen Veranstaltung groß war. Auch der heute 70-jährige Kronenberg ist sich sicher, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis das Thema auf die Tagesordnung des ZdK gekommen wäre. Das Bedürfnis sei auf allen Ebenen zu spüren gewesen.

Erfahrungen mit der Organisation von Katholiken- und von Kirchentagen hatten Kronenberg und Käßmann als Manager der jeweiligen Ausrichter reichlich. Sollten sie nun einen Schritt weitergehen? Ich musste erst einmal darüber schlafen, berichtet Käßmann, die seit 1999 Landesbischöfin in Hannover ist. Ein paar Wochen später besuchte sie Kronenberg in Bonn - und die Pläne wurden konkreter. Zu Beginn des neuen Jahrtausends sollte der Ökumenische Kirchentag stattfinden. Sie

einigten sich auf 2003 und Berlin. In dieser säkularen Stadt können sich Katholiken und Protestanten gemeinsam präsentieren, erläutert Käßmann die Wahl. Schon im November wurde das Vorhaben offiziell verkündet.

Die heikelste Frage, die mittlerweile auch die größte öffentliche Aufmerksamkeit erregt, sparten die beiden Generalsekretäre nicht aus: das gemeinsame Abendmahl. Es sei klar gewesen, dass diese Frage dominierend sein würde, sagt Kronenberg. Übertriebener Optimismus, dass die katholische Kirche dem gemeinsamen Abendmahl bis 2003 leichten Herzens zustimmen werde, sei fehl am Platze gewesen. Dennoch war die Abendmahlsfrage wesentlich für mich, erinnert er sich. Käßmann bestärkte ihn in seiner Haltung. Ich war optimistisch, dass sich eine gemeinsame theologische Form finden lässt.

Ein gemeinsames Abendmahl von Katholiken und Protestanten wird es im offiziellen Programm des Ökumenischen Kirchentags nicht geben. Die katholische Amtskirche lehnt das ab. Margot Käßmann gibt offen zu: Das hat mich enttäuscht. Kronenberg, der damals für seinen Vorschlag viel Kritik der katholischen Bischöfe einstecken musste, ist zurückhaltender. Wenn der gemeinsame Kirchentag die Hoffnung auf eine künftige Abendmahlsgemeinschaft deutlich machen könne, seien seine Erwartungen erfüllt.

Verständnis für die Reformgruppen, die während des Kirchentags in der Gethsemane-Kirche in Prenzlauer Berg trotz Verbot eine eucharistische Gastfreundschaft für beide Konfessionen anbieten wollen, hat der frühere ZdK-Generalsekretär nicht. Damit machten die Beteiligten das Geheimnis der Eucharistie zum Werkzeug der Annäherung der beiden Kirchen. Er hingegen halte das gemeinsame Abendmahl für die Besiegelung der Einheit. Käßmann ist so zurückhaltend wie die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) in dieser Frage. Ich habe Verständnis für die ökumenische Ungeduld, sagt sie nur. Die Eltern der Idee Ökumenischer Kirchentag sind jetzt gespannt auf das Ereignis Ende Mai. (0611/07.05.03)

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