Anyong haseo (Guten Tag),

der Kirchenbezirk Pjöngjang der Presbyterianischen Kirche von (Süd-)Korea und der Kirchenbezirk Ludwigsburg sind seit 25. April 2013 durch eine Partnerschaft verbunden.

Der Kirchenbezirk Pjöngjang ist ein personaler Kirchenbezirk, d h seine Mitglieder sind Menschen, die ihre Wurzeln in Nordkorea haben, die aber in Südkorea wohnen. Die meisten dieser etwa 100 000 Christen leben  in oder um Seoul.

Damit die Partnerschaft der Kirchenbezirke Pjöngjang und Ludwigsburg mit Leben erfüllt wird, braucht es Menschen, die sich dafür begeistern lassen.

Ganz gleich, ob Sie schon Kontakte nach Korea haben oder nicht, wir brauchen Sie!

Gestalten Sie die Partnerschaft mit, bringen Sie sich ein: als Interessierte, als Gastgebende, als Mitglieder im Arbeitskreis Korea, in der Vorbereitung des Kirchentages, als Austauschpartner.

Was haben Sie davon?
Intensive Einblicke in ein wenig bekanntes Land, interessante Begegnungen, einen weiten Horizont und einen neuen Blick auf das Eigene.

Gibt es gemeinsame Projekte?
In der Partnerschafts-Erklärung wurde neben Austausch und gegenseitigen Besuchen auch vereinbart, einmal im Jahr in beiden Kirchenbezirken einen „Partnerschaftssonntag“  zu feiern. Abwechselnd soll dafür ein Gottesdienstentwurf ausgearbeitet werden, der dann am selben Sonntag im Kirchenbezirk Pjöngjang und im Kirchenbezirk Ludwigsburg in möglichst allen Gemeinden gefeiert wird.

2015 wird der nächste Kirchentag in Stuttgart und der Region stattfinden. Vielleicht gelingt es, sich daran mit einem eigenen deutsch-koreanischen Projekt zu beteiligen. Eine größere koreanische Delegation hat schon jetzt ihre Teilnahme angemeldet.

Wie soll das mit der Verständigung gehen?
Etliche Pfarrer der PCK haben in Deutschland studiert und zum Teil auch promoviert, so dass die Verständigung gut klappte. Für jüngere Koreaner ist es zudem unabdingbar, Englisch zu lernen. Dafür nehmen sie sogar zusätzliche Privatstunden.

Zudem leben in und um Ludwigsburg zahlreiche Koreaner/innen, die beide Sprachen sprechen. In Stuttgart gibt es eine koreanische Gemeinde der PCK, die sich über die Partnerschaft sehr freut.

Wie kam es zu dieser Partnerschaft?
Im November 2012 kam Moderator (Bischof) Son von der PCK nach Ludwigsburg und fragte an, ob Interesse an einer Partnerschaft bestehe. Als Dekan Winfried Speck dies bejahte, lud er ihn zu einem Besuch nach  Korea ein. Mitte Februar 2013 flog eine kleine Delegation des Kirchenbezirks Ludwigsburg nach Seoul und wurde dort sehr herzlich empfangen Bilder von dieser Reise sehen Sie hier >>>.

Während des Besuchs wurde die Partnerschaftserklärung vorbereitet und hin und her übersetzt.

Korea ist weit entfernt. Welchen Sinn hat eine solche Partnerschaft?
Beim ersten Besuch der Ludwigsburger Delegation stellte sich rasch heraus, dass Korea und Deutschland mehr verbindet, als zunächst vermutet. Beide Länder sind hochentwickelte Industrienationen. Allerdings hat Korea die Entwicklung vom eher bäuerlich geprägten Land zur Industrienation in etwa 50 Jahren durchlaufen, während es in Deutschland etwa 150 Jahre dauerte.

Beide Länder sind oder waren durch eine (fast) unüberwindliche Grenze geteilt. In Deutschland ist die Wiedervereinigung schon längst ganz normal. Für die Koreaner ist ungewiss, wie lange die Teilung der koreanischen Halbinsel noch andauern wird. Südkorea boomt, aber in Nordkorea hungern Menschen während die Machthaber ihren Wahn, Atommacht zu sein, ausleben.

Kontakte sind – wenn überhaupt -nur möglich, wenn man den Weg über China wählt. Grenzübergänge, wie an der deutsch-deutschen Grenze gibt es nicht. Dass in Deutschland die Teilung überwunden werden konnte, ist für die Koreaner ein wichtiger Grund zur Hoffnung und an vielen Stellen wird daran erinnert.

Ein weiteres Thema ist die Versöhnung mit früheren Kriegsgegnern. Deutschland verschweigt die Schuld nicht, die es in der Nazizeit und im 2. Weltkrieg auf sich geladen hat, und arbeitet an Versöhnung und Wiedergutmachung soweit dies möglich ist. Korea hatte im 2. Weltkrieg unter japanischer Unterdrückung zu leiden. Etwa 200 000 junger Koreanerinnen wurden verschleppt und als sogenannte „Trostfrauen“ in japanische Kriegsbordelle gesperrt. Viele überlebten nicht, die anderen waren schwer traumatisiert. Doch bis heute bestreitet Japan die Zahl der Opfer und hat sich weder entschuldigt noch Entschädigungen für die Überlebenden geleistet.

Ludwigsburg, in dem ein wichtiger Meilenstein der deutsch-französischen Aussöhnung gesetzt wurde, ist  deshalb für Koreaner hochinteressant.

Im Gespräch entdeckten beide Seiten weitere Fragestellungen, die beiden Ländern gemeinsam sind: So ist die Geburtenrate hier wie dort so niedrig, dass die Gesellschaft rasch altert – mit allen dazugehörenden Problemen.

Umweltprobleme und der Umgang mit der Natur sind hüben wie drüben ein Thema. So hat Seoul seit einiger Zeit einen „grünen“ Bürgermeister, der sichtbar Akzente setzt.

Die Integration von Zuwanderern wird in Deutschland seit längerem heiß diskutiert. Sie wird zunehmend auch in Korea zum Thema, da verstärkt Menschen aus Bangladesh, den Philippinen und anderen armen Ländern einwandern und das in ein Land, das lange Zeit sehr homogen war.

Andererseits haben die koreanischen Christen ihren deutschen Geschwistern die Erfahrung voraus, wie es sich als Minderheit in einer nicht-christlichen Gesellschaft lebt.

Bedrückend ist, dass Christen in Nordkorea riskieren, in Konzentrationslager verschleppt zu werden. Dennoch versuchen gerade die Mitglieder des Pjöngjang-Kirchenbezirks die Bande nach Norden nicht abreißen zu lassen.

Beide Kirchen sind wohlhabend, so dass es eine Partnerschaft auf Augenhöhe werden wird. Es geht nicht darum, Spenden für Korea zu sammeln. Es geht darum, miteinander als Christen in der Einen Welt zu leben.

Bitte wenden Sie sich an Pfarrerin Elke Dangelmaier-Vinçon elke.dangelmaier-vincon(a)elkw.de für weitere Informationen.