Adventsgruß unseres Dekans Michael Werner

Auch in diesem Jahr wird im Advent vieles anders sein als sonst. Anders als wir es uns gewünscht haben, werden wir die Vorweihnachtszeit nicht in einer neuen Normalität verbringen. Im Gegenteil:  Die Infektionsraten steigen. Vieles, worauf wir uns gefreut haben, wird nicht stattfinden. Das belastet und strengt an. Unsere Gesellschaft, auch das macht den Advent in diesem Jahr aus, ist dünnhäutiger geworden.

Während ich diesen Gruß schreibe, werden vor meinem Fenster im Dekanat auf dem Marktplatz die Hütten und Stände des Weihnachtsmarkts abgebaut, der kurz vor seiner Eröffnung abgesagt werden musste. „Es war alles fertig. Ich hätte nur noch den Laden öffnen müssen…“ hat einer der Standbetreiber gesagt, mit dem wir in den letzten Tagen gesprochen haben. Man kann nur ahnen, was ein zweites Jahr ohne Weihnachtsmarkt für viele Marktbeschicker nicht nur wirtschaftlich bedeutet. Aber auch wenn wir einander nicht helfen konnten: Es war gut, dass wir über den Markt gegangen sind und die aufgesucht haben, die ihre Advents- und Weihnachtsdekoration wieder einpacken müssen, noch ehe der Advent begonnen hat. Die Tasse Kaffee und die Brezel, die wir dabei anbieten konnten, lösen keine existentiellen Probleme. Aber dass wir einander wahrnehmen und aneinander denken, passt doch. Gerade im Advent.

Denn Advent wird es doch. Und wir feiern ihn. Gleich am Vorabend des 1. Advent mit einer ökumenischen Adventseröffnung in der Stadtkirche am Marktplatz mit den beiden Bischöfen unserer Kirchen. Und danach in unseren Gottesdiensten, die wir auch dann feiern, wenn wir sie an die gegenwärtige Lage anpassen. Darin werden wir auch an diejenigen denken, die durch das Coronavirus erkrankt sind und vielleicht um ihr Leben ringen. Und wir denken an die, die sie pflegen und dabei selbst an ihre Grenzen stoßen. Leben zu schützen ist ein hohes Gut. Dem tragen wir als Kirche auch in unseren Gottesdiensten im Advent Rechnung.

Und tun damit zugleich mehr: Indem wir in den kommenden Wochen nach und nach die Kerzen am Adventskranz anzünden, zünden wir Lichter unserer Hoffnung an. Sie leuchten dort, wo wir zum Ende dieses Jahr angesichts der Pandemie das Zerbrechliche und unsere Grenzen wieder stärker wahrnehmen. Nicht zufällig kommen dabei diejenigen in unseren Blick, die auf diese Hoffnung in besonderer Weise angewiesen sind. Gut, dass wir Advent feiern.

Advent heißt Ankunft. Gottes Ankunft in unserer Welt. Worauf wir dabei zugehen, müssen wir zum Glück nicht selbst organisieren. „Gott wird Mensch dir, Mensch, zu Gute“ heißt es in einem unserer Weihnachtslieder. Gott kommt ohne unser Zutun zur Welt. Als Kind in einer Krippe. Als Mensch nahe bei den Menschen. Dieser Spur folgen wir.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Adventszeit

Ihr

Dekan Michael Werner

Die wöchentlichen Andachten evangelischer bzw. ökumenischer Autorinnen und Autoren
(Angedacht KWZ und Zum Sonntag, LKZ) werden zeitnah in diesem Archiv erfasst.