ASYL: Ehrenamtliche kommen an ihre Grenzen

Veröffentlicht am 17.10.2020
in Ludwigsburger Kreiszeitung

Fast wehmütig spricht Martha Albinger
von dem Anfang – 2015 suchen Hunderttausende
Flüchtlinge Zuflucht in
Deutschland. Plötzlich ist Krise. In Syrien
tobt der Bürgerkrieg, Millionen Menschen
sind auf der Flucht. Wehmut angesichts
der Katastrophe? „Die Flüchtlingshilfe
war trotz allem positiv belegt“, sagt
die Leiterin der Ökumenischen Fachstelle
Asyl. „Wir schaffen das“ von Bundeskanzlerin
Angela Merkel, umstritten, aber
prägend: Die Willkommenskultur war geboren,
die vom Ehrenamt lebt. Und heute?
„Erleben wir, dass es oft nur noch um
Abschreckung und Abschiebung geht. Da
bricht uns das Ehrenamt weg.“ Trotzdem,
betont sie, seien die Ehrenamtlichen
noch sehr aktiv, beim letzten Asylforum
im September in der Friedenskirche habe
man sich erstmals wieder persönlich ausgetauscht.
„Da ist auch viel Positives.“
Die Ökumenische Fachstelle Asyl wurde
2015 vom Kreisdiakonieverband und
der Caritas gegründet. An die 50 Arbeitsund
Freundeskreise im Kreis mit 2000
Engagierten werden von Silvia Maier-Lidle
(Diakonie) und Martha Albinger (Caritas)
betreut, das Asylforum entwickelt
sich aus dem Ökumenischen Arbeitskreis
Asyl, es geht um Qualifizierung, Netzwerke,
die Ehrenamtlichen machen sich fit
für die Herausforderungen: Recht, Behördengänge,
Sprachkurse, aber auch das
Miteinander, Feste, Ankommen und Integration.
Es soll nach vorne gehen.
2019 zählte die Fachstelle dann noch
rund 1000 Engagierte, derzeit sind es
rund 600. Die Stadt Ludwigsburg rechnet
langfristig damit, dass 500 Plätze für
Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung
in großen Einrichtungen ausreichen
werden. Eine Nachfolgerin für Silvia
Maier-Lidle, die Anfang des Jahres in
Rente ging, ist für die Fachstelle immer
noch nicht gefunden, vielleicht kein attraktiver
Job. Wie berichtet, spielt die vorläufige
Unterbringung, also kurz nach
der Ankunft, immer weniger eine Rolle
als die Anschlussunterbringung nach
zwei Jahren – mit Anerkennung oder Duldung.
Laut Martha Albinger geht es seit
geraumer Zeit vor allem darum, Identitätspapiere
zu beschaffen – eine Voraussetzung
dafür, dass das Asylverfahren
überhaupt weitergeht. „Wenn sie keine
haben, gibt es nur eine Duldung light“ –
sie dürfen nicht arbeiten „und sind im
Grunde perspektivlos“.

 

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