„Ich verzichte auf Aufnahme in die Partei“

Veröffentlicht am 23.06.2020
in Ludwigsburger Kreiszeitung

Beim Blick auf das Dritte Reich
bleibt man oft bei den Tätern,
den Verführten und den Mitläufern
hängen. Die Auflehnung im
Kleinen, die es auch gab, wird
dabei leicht übersehen. Um
solch eine Geschichte geht es in
dem Brief, den Helmut Mergenthaler,
Diakon i. R., beim
Ausräumen seines Elternhauses
in Ludwigsburg gefunden hat.
Der Brief ist auf den 1. März
1940 datiert. Adressiert ist er an
Rechtsanwalt Dr. Arnold, den
Ortsgruppenleiter Süd der
NSDAP. Geschrieben wurde er
von Richard Ludwig, dem Großvater
von Helmut Mergenthaler.
„Mein Großvater war ein sehr
gläubiger Mann“, erzählt Mergenthaler.
Dies ist für ihn auch
die Erklärung für den Inhalt des
Briefes. Darin lehnt Richard
Ludwig in höflichen Worten
nämlich ab, in die NSDAP aufgenommen
zu werden. Oder anders
gesagt: Er zählt Gründe auf,
die „meiner Aufnahme in die
Partei im Wege stehen“, wie es
in dem Schreiben heißt.
Diese Gründe sind für Ludwig
folgende: Er will nicht auf sein
Amt als Kirchengemeinderat
verzichten. Und auch die Vorstandschaft
im Christlichen Verein
junger Männer (CVJM) will
er nicht abgeben. „Ich werde
deshalb auf die Stellung eines
Antrags zwecks Aufnahme in die
Partei verzichten.“

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